12/19/2008

Por los caminos del mundo (Unterwegs in der Welt)





























































Die Theatergruppe von Irene Borges aus Havanna zeigte anlässlich der Festwoche in Camagüey ihr Kinderstück "Por los caminos del mundo". Nach der Vorstellung strömten die Schulklassen aus dem Theater und erzählten sich gegenseitig aufgeregt die Szenen, die sie am meisten beeindruckt hatten. Plötzlich lief ein Junge zur Lehrerin und fragte sie etwas. Daraufhin lief die Leherin zum Einlasspersonal und die wiederum verschwanden im Theatersaal. Dann öffneten sich nocheinmal die Türen und alle 40 Kinder strömten wieder hinein, um sich bei den drei Schauspielern zu bedanken und kamen Freude strahlend wieder zur anderen Tür hinaus.

Das Stück hatte die kleinen Zuschauer im Herzen getroffen. Es erzählte von drei Zigeunern, die mit ihrem Wagen in der Welt unteregs sind und Geschichten erzählen. Das Stück, das das Ensemble selbst entwickelt hat, führt von einer Geschichte zur nächsten. Wie bei einer Matroschka öffnet sich in der einen Geschichte das Fenster zur nächsten Geschichte. Erst trifft der Zigeuner einen feinen Herren, der seinen Esel schikaniert. Den kauft er dem Edelmann ab und nun beschließen der Zigeuner und der Esel, mit seiner neu gewonnen Freiheit, durch die Welt zu ziehen und Geschichten zu erzählen. Sie treffen auf die Möwe, die vor der Hochzeit mit einem Prinzen geflohen war und im Land der Raben als Fremde misshandelt wurde und nun erschöpft auf der Straße liegt. So ziehen sie zu dritt weiter und die Möwe hat auch gleich eine Geschichte zu erzählen: vom kleinen Zigeuner, der sich in die Mondin verliebt, die ihm aber vom Sonnenmann weggenommen wird. nach einer zweiten Attacke der Raben, die das Theater verachten und von der Wandergruppe eine Lizenz fordern, muss die Möwe wieder zurück zu ihren Schwestern nach hause und so fliegt sie davon. Der Zigeuner, der sich in sie verliebt hat, macht sich gemeinsam mit seinem Freund, dem Esel, auf den Weg bis ans Ende der Welt, sie zu suchen. Und so ziehen sie weiter, immer weiter...

Mit ganz einfachen Mitteln erzählen, tanzen und singen die drei Schauspieler die Geschichten, verwandeln sich in die verschiedenen Figuren und schaffen es durch große Sinnlichkeit bei den Kindern und Erwachsenen die Sehnsucht nach der Ferne zu wecken oder zu schüren...sie machen das Publikum träumend: von der Freiheit, in die Fremde zu reisen.

12/17/2008

Im Theater des Windes in Camaguey
























nach einer kurzen magengrummelkrampfphase bin ich tatsaechlich auf der insel angekommen und wohne gerade im teatro del viento (also: theater des windes). da gibt es ueber der buehne eine kleine wohnung,
Der regisseur der gruppe , Freddy, hat vor 10 jahren das theater geschenkt bekommen. es war eine ruine und dann hat er mit seinen schauspielern das theater saniert und er ist sehr froh, dass er hier seinen eigenen raum hat und das theater machen kann, was ihm gefaellt. er erzaehlte, dass sie vor 4 monaten ein stueck entwickelt haben, dass ein wahres ereignis in der stadt aufgeriffen hat. ein 18 jahrer alter junge wurde erstochen, nachts, er arbeitete als prostituierter...die schauepielr entwickelten ein stueck, dass von der lebensituatione des jungens und seiner mutter erzaehlte und den Noeten in den sie leben...die polizei kuemmerte sich nicht oder unzureichend um den mord und die mutter bleib ziemlich allein mit ihrem schicksal. das theater war 3 monate ausverkauft und die leute standen schon nachmittags an um karten zu kreigen...freddy sagt, dass eben wenige gruppen hier theater machen, was sich mit der realitaet auseinandersetzt...er hat auch probleme bekommen, weil er das stueck gemacht hat..aber nachdem sie ihn ein paar mal gebeten haben, dinge im stueck zu aendern und er ees nicht getan hat, ist nichts weiter passiert..die angst der leute vor der staatlichen zensur ist schon so im kopf drin , dass viele schon bevor sie kritik ueben , oeffentlich, angst vor den konsequenzen haben...aber es passiert eben nicht immer so....hier in Camaguey erlebe ich kuba nochmal ganz anders als in La habana. die Menschen hier sind so herzlich und eben auch die theaterleute und ich sehe gerade wieder all die schoenen Dinge hier. das ist wunderbar!
gerade ist hier ein kleines theaterfestival zum 50. geburtstag der revolution. sie haben das hier ganz kurzfritig organisiert, weil das eigentliche kubanische theaterfestival im september hier stattfinden sollte, aber der hurrikan hat kurz vorher die ganze stadt verwuestet und so wurde das eigentliche festival jetzt nach la havanna verlegt.
heute abend sehe ich eine Version der Hamletmaschine im Teatro estudio experimental und danch gibt es eine starssentheaterauffuehung einer polnischen gruppe aus Warschau!

12/10/2008

"Das groesste Glück ist für mich, einen klaren Kopf zu behalten"




...ich denke hier viel nach ueber das Leben
auf einer Insel nach und was es mit einem macht, wenn man da nicht weg kann.
Ein guter Freund von mir,Carlos, Schauspieler und Autor im Teatro Escambray SEIT fast 10 Jahren, ist im November mit 29 Jahren zum ersten mal
aus Kuba rausgekommen , er war mit einem Stueck auf Gastspiel in Venezuela,
eine Woche. Er meinte, es war wie ein Traum fuer ihn. Die Metro in Caracas, Die Leute mit ihren Handys auf der Strasse..eine Welt , ganz fern fuer ihn….
Er sagt das voller Leidenschaft..so , wie er auch vom Theater und von seiner Poesie redet.

"Kuba, ist das Land, in dem ich leben will"
Er will wieder reisen, aber auf jeden Fall zurueckkommen. Kuba ist das Land, in dem er leben will,aber er ist damit allein. Als wir uns verabschiedeten nach drei Tagen Reden und Reden und Reden sagte er: ¨Weisst du, mit dir zu reden ist wie die Batterie neu aufzuladen...ich muss das sonst immer irgendwie allein schaffen, irgendwo diese Quelle finden, um neue Kraft, neue Gedanken zu finden..ich habe niemand hier in der GRUPPE , mit dem ich so offen reden kann. Die , mit denen ich das konnte, sind alle weg. Und mit meiner Poesie, die ich schreibe, frage ich mich die ganze Zeit, ob die dazu beitraegt, das sich hier was aendert. Ich frage mich das immer wieder: was kann ich tun?¨

Francis will eines Tages nach Paris
Und seine juengeren Kollegen im Teatro Escambray? Francis, 23 Jahre alt, will nach Paris irgendwann und dort leben.Das ist sein groesster Traum. Novato (der Neue), hat eine Freundin in Spanien und will bald dorthin. Ernesto ist mit einer Kubanerin zusammen, die seit 7 Jahren in Immenstadt wohnt, nahe bei Oberstdorf!, und einen Eisladen gekauft hat mit ihrem Ex.mann. Nun lebt sie 4 Monate im Jahr in Kubaund den Rest in Deutschland. Und Ernesto muss erst einmal deutsch lernen, um nach Deutschland zu kommen, weil sie nicht heiraten koennen, wegen des Eisladens, fuer den sie 5 Jahre mit dem Mann noch offiziell verheiratet sein muss..deshalb kann Ernesto nur als Arbeiter kommen, nicht als Ehemann..aber Ernesto weiss gar nicht, ob ihm Deutschland gefaellt. Und sie will eigentlich doch lieber hier leben in Kuba, aber nach drei Monaten weiss sie das auch immer nicht mehr so genau...

Ueber Zukunft redet hier keiner gern
Ich treffe hier so viele Kubaner, die zwischen Kuba und einem anderen Land hin und herpendeln und ich treffe viele , fuer die das Heiraten ins Ausland die einzige Moeglichkeit zu sein scheint, Zukunft zu denken...Ueber Zukunft redet hier keiner gern. Es macht Angst.
Als ich in das Dollar.Taxi von Santa Clara nach La Habana einstieg, musste ich weinen. Es war wie von einem Moment zum anderen, die realitaet zu wechseln. Das Dollar-Auto ist fuer die, die hier Zukunft sehen, fuer die, eben Im Ausland leben oder aus dem Ausland finanziert werden und die es sich leisten koennen, hier zu leben.
Denn die , die weggehen, werden bewundert und die, die bleiben werden belaechelt, obwohl sie soviel mehr opfern muessen, um hier zu ueberleben..
Ich habe Carlos gefragt, was Glueck fuer ihn ist. Er antwortete: eine klaren Kopf zu behalten.
Wahrlich, das ist eine Kunst hier.

Und hier noch ein Aufnahme von der Fahrt ins Teatro Escambray und von der Feier zum 40. Geburtstag des Teatro Escambray

12/02/2008

p.s.

uebrigens, der bus auf dem foto oben, die cammellos, die gibt es nicht mehr in Havanna. Die haben sie in die Provinz verbannt. hier gibt es dafuer jetzt viel modernere Busse aus China, die sind schnell und es gibt musikalische Unterhaltung über die Lautsprecher.

Theater des Schweigens


ja , wo soll ich anfangen. nach 5 Tagen in kuba bin ich traurig. ich sehe fast nur in traurige gesichter und als ich einen schauspieler fragte, der oft im ausland ist, ob er das auch so sieht, sagt er nur, weisst du, hier warten alle seit generationen darauf, dass ich was aendert und wir sind muede vom warten...und auf einer insel zu sein, macht alles schlimmer...es ist eine poltik des schweigens...und das macht das leben hier zu einem grossen theater des schweigens...
ja und das kubanische theater?
gerade spielen viele gruppen hier deutsche stuecke von dea loher, fritz kater, fassbinder und buechner. pures interesse? ein Hype? nein, die deutsche Botschaft gibt den Gruppen gutes geld fuer diese produktionen, mehr als das kulturministerium den gruppen geben kann...ein neuer kolonialismus?
auf der anderen seite sagte mit ein junger schauspieler vom Argos teatro, der in "avalon-eine nacht in Bangkok" von Fritz Kater spielt, dass ihn dieses stueck veraendert hat und er jetzt andere sachen liest als voher oder ganz andere gedanken hat und dass er aber auch angst hat, das ihn das stueck oder die deutschen stueck verrueckt werden lassen, weil sie einen so mit sich selbst konfrontieren.

11/23/2008

Kuba - Ein Wiedersehen

Ab dem 27. November 2008 bin ich in Kuba, in La Habana. Nach 6 Jahren endlich wieder. Ich werde dort meine Freunde, junge kubanische Theaterschaffende, treffen und hoffentlich viel Theater sehen. Was hat sich in dem Land seit damals verändert? Wie geht es den Kubanern nach dem Hurrikan, der 70%der Ernte vernichtet hat?
Was beschäftigt sie gerade am meisten?
Mit diesen Fragen und noch vielen mehr fliege ich los. Ich werde Euch berichten, so gut es geht.